Amphibien/Säugetiere

Was kriecht und springt im NSG Oetternbach so herum?

Das Gebiet stellt sich als wertvoller Bereich für Amphibien, Heuschrecken, Schmetterlinge, Libellen, Spinnen, Brutvögel und Gastvögel dar, ist auf der Seite von LANUV zu lesen.

Amphibien

Auf der Erde gibt es etwa 6.000 Amphibienarten, in Deutschland sind nur 21 heimischen. Davon sind acht Amphibienarten in der „Roten Liste der gefährdeten Arten Deutschlands“ aus dem Jahr 2009 als bedroht geführt. Keine Lurchart hat in den letzten Jahren im Bestand zugenommen, 40 Prozent gehören zu den gefährdeten bzw. stark gefährdeten Arten. Die Einteilung erfolgt in Schwanz- und Forschlurche.

Schwanzlurche haben kurze Beine, einen langgestreckten Körper und einen Schwanz. Sie schlängeln sich vorwärts. Zu ihnen gehören die Familie der Salamander, die Familie der Wassermolche. Bei Salamandern und Molchen findet eine innere Befruchtung statt.

  • Salamander sind vorwiegend Landbewohner (Alpen- und Feuersalamander).
  • Molche, auch Wassermolche genannt. Erwachsenen Molche leben zeitweise im Wasser und entwickeln deshalb Flossensäume. (Alpenkamm-, Berg-, Faden-, Teich- und Kammmolch)

Froschlurche habe eine charakteristische Stimme, sie quaken. Während ihrer Larvenzeit im Wasser besitzen sie einen Schwanz, der sich mit ihrer Entwicklung zum Landtier zurückbildet. Sie haben kurze Vorder- und lange Hinterbeine mit denen sie sich hüpfend bewegen. Bei Froschlurchen findet die Besamung der Eier äußerlich statt. In Deutschland leben insgesamt 14 Arten, fünf Arten, die z.T. wieder Unterarten bilden.

    • Grünfrösche, auch Wasserfrösche genannt (Kleiner Teichfrosch, Seefrosch, Kleiner Wasserfrosch)
    • Braunfröschen (Gras-, Moor- und Springfrosch)
    • Laubfrosch (heute: gilt der Laubfrosch als stark gefährdet, s.u.)
    • Unken (Gelbbauch– und Rotbauchunke)
    • Kröten (Erd-, Kreuz-, Geburtshelfer, Knoblauch– und Wechselkröte)
Amphibienarten: Einteilung der Roten Liste 2009:
Kategorie 1 (vom Aussterben bedroht)
Kategorie 2 (stark gefährdet)
Kategorie 3 (gefährdet)
R (extrem selten, Arten mit geographischer Restriktion)
G (Gefährdung anzunehmen, aber Status unbekannt)
V (Vorwarnliste)

Im NSG Oetternbach wurden die Amphibienarten bislang noch nicht konkret ermittelt. Bergmolche und Salamander trifft man häufiger an. Wie lange noch, ist fraglich. Ein wahrscheinlich aus Asien eingeschleppter Pilz namens Batrachochytrium salamandrivorans«, kurz »Bsal«, oder „Salamanderfresser“ droht die Amphibien auszurotten (s. „Petition“ unter Neuigkeiten). Der besonders geschützte Bergmolch wurde von der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT e.V.) zum „Lurch des Jahres 2019“ ausgerufen.

Bergmolch Foto: Helmut Krüger

Feuersalamander entdeckt von Ann-Carina Zeh, am 10.08.2018 (Niewaldstraße/ Ecke Ludolfsweg)Der Kammmolch, der sich gerne in lichten Gehölze ansiedelt, steht auf der Vorwarnliste der Roten Liste NRW.

Der Laubfrosch gehört heute zu den stark gefährdeten Amphibien, auf der Roten Liste. Als Wetterfrosch, „Kermit“ (Film: Sesamstraße) oder als „Froschkönig“ in dem gleichnamigen Märchen, wurde die Froschart in der Öffentlichkeit bekannt. In den letzten 20 Jahren ist er sehr selten geworden, deshalb entwickelte die Landesanstalt für Ökologie Nordrhein-Westfalen (LÖBV NRW)  ein Artenhilfsprogramm für den Laubfrosch mit dem Titel „Ein König sucht sein Reich“. Sein Vorkommen in NRW wurde im Jahr 2001 ermittelt.  Der Laubfrosch ist ein wichtiger Indikator für sauberes Wasser, Luft und Boden und damit für eine sehr artenreiche Lebensgemeinschaft aus Pflanzen, Vögeln, Schmetterlingen etc., die genau in solchen Regionen überleben. Eine Karte und detaillierte Informationen sind bei LANUV zu finden.

https://www.lanuv.nrw.de/natur/artenschutz/artenschutzprogramm/laubfroschprogramm/vorkommen_in_nrw/

Reptilien

Bei den Reptilien im Oetternbachtal sind Echsen und Schlangen zu beobachten, z.B.  Zauneidechse, Blindschleiche oder Ringelnatter.

In Deutschland gibt es 15 Reptilienarten (Kriechtiere). Dazu zählen Schildkröten, Eidechsen und Schlangen. Reptilien lieben die Sonne. Sie sind wechselwarme Tiere mit starkem Wärmebedürfnis, deren Körpertemperatur größtenteils von der Umgebungstemperatur abhängt. Sie suchen Sonne oder Schatten auf, um ihre Temperatur zu regeln. Ihre Haut hat Schuppen, die als Verdunstungsschutz dienen. So können sie unabhängig vom Wasser leben.

Reptilien halten Winterruhe in Verstecken, z.B. unter Baumwurzeln, Steinplatten, Totem Holz oder in Erdlöchern, selbstgegrabenen Höhlen, Felsspalten, Hohlräumen und in Kleinsäugerbauten. Nur die Europäische Sumpfschildkröte überwintert auf dem Grund von Gewässern.

Eidechsen fressen vorwiegend Insekten, Würmern und andere Kleintiere. Die heimischen Schlangen ernähren sich sehr unterschiedlich. Die Schling- oder Glattnatter frisst Eidechsen, die Ringelnatter Amphibien und Fische, die Würfelnatter verzehrt Fische, die sie im Wasser jagt. Die Kreuzotter und die Äskulapnatter verspeisen hauptsächlich Kleinsäugern, z.B. Mäuse.

Reptilien legen entweder Eier in selbst gegrabene Erdlöcher oder in Komposthaufen, die von der Sonne und der Wärme, die während der Verrottung entsteht, ausgebrütet werden. Einige Arten sind lebendgebärend, z.B. Waldeidechse, Blindscheiche und Kreuzotter. Das Erbrüten der Eier erfolgt im Mutterleib und das Schlüpfen während der Geburt.

Die Zauneidechse erreicht eine Gesamtlänge von bis zu 27 cm. Sie hat einen gedrungenen leicht abgeflachten Körper und ist kurzbeinig. Die beiden Geschlechter und Jungtiere sind unterschiedlich gefärbt. Oberkopf, Rücken und Schwanz sind bräunlich. Die Männchen besitzen in der Paarungszeit in der Regel grüne Körper-, Kopf- und Bauchseiten. Rücken und Flanken weisen Flecken, Linien oder Bänder auf. An den Flanken sind die typischen großen weißen, dunkel umrahmten Augenflecken ausgebildet. Zauneidechsen sind in Dünen, Heideflächen, Steppengebieten, Brachflächen, aufgelassene Kiesgruben und Waldrändern in subalpine Gebirgszügen an Straßen-, Wegen- und Uferrändern sowie Bahndämmen zu Hause.  Sie sind tagaktiv und relativ ortstreu. Das Weibchen legt 5-17 Eier in selbstgegrabenen Erdlöchern ab.

Die Blindschleiche sieht mit ihrem langen beinlosen Körper aus wie eine Schlange, sie zählt jedoch zu den Echsen. Ausgewachsene Tiere erreichen eine Länge von bis zu 50 Zentimetern. An der Oberseite sind sie braun, grau oder gelblich gefärbt; teilweise glänzen sie auch in Bronze- oder Kupfertönen. Die Flanken sind meist dunkel abgesetzt. Für den Menschen sind sie ungefährlich. Als Lebensraum bevorzugt sie Heidegebiete, teilentwässerte Hochmoore und Laubwälder. Man findet sie auch auf Wiesen, Brachen, in Parks, naturnahen Gärten, an Wegrändern, Bahndämmen, unter Hecken, Steinen, im Laub und in Komposthaufen.  Sie frisst Regenwürmer, Nacktschnecken und unbehaarte Raupen. Und sie wird gerne gefressen, Igel, Dachs, Fuchs, Marder, Hunde, Katzen und Hühner gehören zu ihren Feinden. Intensive Land-, Forstwirtschaft und Gartenanbau bzw. -pflege dezimieren die Bestände durch Pestizide und Schneckenkorn. Manchmal wird sie aus Ekel einfach von Menschen zertreten.

Ringelnattern sind ausgewachsen ca. 80 bis 120 Zentimeter lang. Für den Menschen sind sie vollkommen ungefährlich. Ihr Körper hat eine hell- bis dunkelgraue Grundfarbe und dunklere Flecken auf dem Rücken und an der Seite. Sie leben in Feuchtgebieten und deren Umgebung, z.B. an langsam fließenden Gewässern, an Seen und Teichen, in Sümpfen, Feuchtwiesen. Wichtig ist ein gutes Beuteangebot. Sie fressen vor allem Frösche, Kröten, Molche, Kaulquappen, kleine Fische seltener Mäuse und Schnecken.

Säugetiere

Neben Mäusen, Ratten, Bisamratten und Fledermäusen, die auch zu den Säugetieren gehören (sind auf der Website bei Vögeln zu finden) gibt es verschiedene Wildarten in der Oetternbachregion. Rechtlich als „Wild“ werden Tierarten bezeichnet, die laut Bundesjagdgesetzt (BJagdG) dem Jagdrecht unterliegen. Unterschieden werden Hoch- und Niederwild. Die Begriffe sind historisch bedingt. Hochwild wurde besonders geschätzt und war deshalb dem hohen Adel (Hohe Jagd) vorbehalten. Das Niederwild durfte auch von anderen Personen gejagt werden (Niedere Jagd). Heutige Wildvorkommnisse:

• Haarwild: Säugetiere, z.B. Dachse, Mader, Iltis
• Federwild: Vögel, z.B. Enten, Fasan (s.u.)
• Schalenwild: Paarhufer (Hornträger, Geweihträger) und Schwarzwild (Wildschweine); Jäger bezeichnen deren Klauen als „Schalen“.
• Hochwild: alles Schalenwild (ausgenommen Rehe), Auerwild, Steinadler, Seeadler. (Früher gehörten auch Bär, Luchs, Kranich oder Fasan dazu).
• Niederwild: dazu gehört alles andere z.B. Feldhasen, Kaninchen, Füchse

In Jerxen-Orbke wurde der Wildbestand (vor allem Rehe, Hasen, Fasane) in den letzten zwei Jahrzehnten auf Grund von Hegemaßnahmen und sehr vorsichtiger, eingeschränkter Bejagung ziemlich konstant gehalten. Verkehrsverluste (überwiegend am Nordring) machen beim Rehwild etwa die Hälfte der Gesamtstrecke (getötete Tiere) aus. Iltis, Mauswiesel, Waldschnepfen werden in Jerxen-Orbke nicht bejagt. Graureiher, Greife und Falken stehen unter einer dauernde Schonzeit.

Feldhasen sind in Deutschland gefährdet. Der Lebensraumverlust durch die Agrarlandschaft zwingt ihn in dichter besiedelte Gebiete. Wie andere Wildarten auch leidet er unter der Zerschneidung der Landschaft durch Straßen. In Deutschland fallen jährlich ca. 60.000 Feldhasen dem Straßenverkehr zum Opfer. Die Angaben stammen von der Deutschen Wildtierstftung (https://www.deutschewildtierstiftung.de/wildtiere/feldhase#bedrohungen).

Im Sommer ist das Fell der Feldhasen erdbraun, im Winter gräulich-braun. Die Hinterläufe und Ohren sind sehr lang. Der Feldhase ist scheu, lebt meist nachtaktiv als Einzelgänger, bevorzugt warme, trockene und offene Flächen mit einer guten Rundsicht. Durch seine seitlich stehenden Augen überblickt er einen Bereich von nahezu 360 Grad. Feldhasen sind standorttreu und behalten ihr Revier ein Leben lang. Aufgrund der langen Hinterläufe „hoppelt“ er. Feldhasen können drei Meter weit und zwei Meter hoch springen. Sie sind in der Lage abrupte Richtungswechsel vorzunehmen – Haken schlagen. Auf der Flucht erreichen Feldhasen Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 80 Kilometer pro Stunde.

Feldhase auf der Balbrede, 24.04.2016, Foto: Helmut Krüger

Seit 2018 „Wolfsgebiet Senne“ – Detmold, Lage und Lemgo gehören dazu

Der Wolf kehrt zurück, in Bereiche in denen er seit fast 100 Jahren ausgestorben war. Von Westpolen breitet sich der Wolf seit rund 20 Jahren wieder in Deutschland aus – ohne menschliches Zutun. Die Bestätigung eines Wolfrudels auf einem militärischen Übungsplatz in der sächsischen Oberlausitz im Jahr 2000 war eine wildbiologische Sensation. Für das Monitoringjahr 2016/2017 wurden für Deutschland 60 Rudel, 13 Paare und 3 sesshafte Einzeltiere nachgewiesen. Die Zahl der bestätigten Rudel stieg damit im Vergleich zum Vorjahr um 13. Insgesamt wurde ein Bestand von 150 bis 160 erwachsenen Tieren nachgewiesen.

In Nordrhein-Westfalen gibt es seit einigen Jahren vereinzelte Hinweise auf durchziehende Wölfe. Aufgrund genetischer Nachweise geht das Landesumweltamt (LANUV NRW) davon aus, dass im Verlauf des Jahres 2018 im Bereich Schermbeck (Kreis Wesel) und im Bereich des Truppenübungsplatzes Senne (Ostwestfalen-Lippe) jeweils ein weibliches Tier standorttreu geworden ist. Deshalb hat das Umweltministerium des Landes Nordrhein-Westfalen Ende des Jahres 2018 das „Wolfsgebiet Senne“ ausgewiesen. Anhand genetischer Analysen wurde im Bereich der Senne mehrfach ein weiblicher Wolf nachgewiesen. Experten gehen davon aus, dass das Tier standorttreu ist.
Das Wolfsgebiet Senne ist 922 Quadratkilometer groß und umfasst Teile der Kreise Gütersloh (Stadt Schloß Holte-Stukenbrock), Lippe (Städte Detmold, Horn-Bad Meinberg, Lage und Oerlinghausen, Gemeinden Augustdorf und Schlangen) und Paderborn (Städte Bad Lippspringe und Paderborn, Gemeinden Altenbeken und Hövelhof) sowie der Stadt Bielefeld (Teil südwestlich der A2/B 66). Informationen dazu Bezirksregierung Detmold: https://www.bezreg-detmold.nrw.de/400_WirUeberUns/030_Die_Behoerde/040_Organisation/050_Abteilung_5/010_Dezernat_51/009_Wolfsgebiet_Senne/index.php 

Wolfsgebiet Senne, Region Detmold, Lage, Lemgo2016: zwei Nutztier-Risse in Bantrup, 2017: Eine Wolfsichtung bei Lemgo. 2018: Gütersloh, Paderborn, Schlangen, Höxter mehrfache Sichtungen, Wild- und Nutztier-Risse. Die grünen Punkte auf der Karte geben Wolfvorkommnisse an. Aktuelle Informationen bei LANUV unter:   https://wolf.nrw/wolf/de/nachweise